Länderprofi-Kampagne endlich online!

Hallo meine Lieben,

wie vielleicht schon einige von euch wissen, habe ich in letzter Zeit an einem wundervollen Projekt der lieben Kathrin mitgearbeitet. Sie hat die sogenannte „Länderprofi-Kampagne“ gestartet, zu der verschiedene Blogger etwas über ein Land schreiben konnten, für das sie „Profi“ sind, daher längere Zeit dort gelebt haben, schon oft dort gereist sind oder ähnliches…
Welches Land bietet sich da bei mir besser an, als Nicaragua? Nach über 10 Monaten habe ich bereits alles touristisch sehenswerte bereist und auch das Land an sich relativ gut kennengelernt, sodass ich deshalb im Rahmen dieser Kampagne über Nicaragua geschrieben habe (–> zum Artikel). IMG_842712
Schaut unbedingt auf ihrem Blog vorbei, es wurden auch sonst faszinierende Länder vorgestellt!

Außerdem lege ich euch ans Herz, auch noch meinen letzten Blogartikel über meine Arbeit zu lesen, da das Projekt ja eigentlich immer noch das Kernstück meines Aufenthaltes hier ist. (–> zum Artikel).SAM_03621.JPG
Ansonsten wünsche ich euch eine schöne Woche und wir hören von einander!

Eure Lea

 

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ERFOLG? Ein Wort mit vielen Definitionen! – Ich spreche über mein Projekt!

Angeregt zum heutigen Thema hat mich mein Onkel Sascha, der gerne noch mehr über die Arbeit erfahren wollte. Im gleichen Atemzug hat er mir einige Fragen gestellt, die ihn besonders interessieren, sodass ich mich heute intensiv zu diesem Thema äußern werde. Zunächst beantworte ich deshalb die Fragen, die er gestellt hat und teile anschließend an die sachlichen Auskünfte meine Gedanken- und Gefühlswelt zum Projekt, berichte von Probleme und erkläre euch meine Definition von Erfolg! Viel Spaß also beim Lesen!

„Kommen immer die gleichen Kinder?“
Mehr oder Weniger. Die meisten Kinder kennen wir mittlerweile ziemlich gut, vor Allem, wenn sie regelmäßig bei AHIMSA vorbei schauen. Nach wie vor nehmen aber auch oft Kinder an den Aktivitäten teil, die auf ärztliche Behandlung im angrenzenden Centro de Salud warten und in dieser Zeit schlichtweg nichts Besseres zu tun haben.

Was machen die Kinder am liebsten?
Das ist pauschal schwierig zu sagen, da die Interessen meist sehr unterschiedlich sind. Tendenziell würde ich sagen, dass die meisten Kinder am liebsten Basteln! Das mag aber auch daran liegen, dass Marietta und ich bei dieser Aktivität immer am Motiviertesten sind! – Und das obwohl sie immer Freitags stattfindet! (Oder vielleicht gerade deswegen?)
Interessant zu wissen ist vielleicht, dass der Donnerstag als Kinotag bei den Kindern hier meiner Einschätzung nach deutlich weniger beliebt ist, als er es vermutlich in Deutschland wäre. Einige Kinder lassen den Film sogar nur „über sich ergehen“, da sie wissen, dass anschließend Kekse und Saft gratis verteilt werden. Ich glaube, dass die mäßige Begeisterung vor Allem daher kommt, dass ein Film keine große Besonderheit für die Kids darstellt. In vielen nicaraguanischen Familien läuft der Fernseher den ganzen Tag! Es ist also nicht verwunderlich, dass sie sich lieber austoben oder kreativ sein wollen. (Für mich war es am Anfang übrigens völlig absurd, dass der Fernseher den ganzen Tag läuft, selbst wenn keiner wirklich zuschaut. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass es mich mittlerweile jedoch zunehmend selbst stört, wenn ich zuhause bin und das vertraute und sonst allgegenwärtige Hintergrundgeräusch nicht höre.)

Was macht ihr sonst noch alles so mit den Kindern?
Zum einen gibt es die üblichen Aktivitäten nach dem Stundenplan, den wir festgelegt haben. Wenn „Malen“ auf dem Programm steht, dann drucken wir oft Mandalas, Malen nach Zahlen oder themenbezogene Ausmalbilder (Unterwasserwelt, Dschungel, Ritterburgen & Drachen, Halloween, Weihnachten usw.) aus. Ab und zu kommen auch Wasserfarben und Wachsmalstiften zum Einsatz.SAM_03251

Was Spiele angeht, sind wir leider sehr beschränkt. Absolutes „All-time-favorite“ Spiel ist definitiv „Mensch ärgere dich nicht“! Gerade top aktuell ist das Kartenspiel „Phase 10“! – ein Spiel, bei dem ich mir im Leben nicht hätte träumen lassen, dass die Kinder es verstehen. Zu meiner Überraschung hat es aber beim ersten Versuch außergewöhnlich gut geklappt und nachdem ich die Karten, die in sechs Sprachen, aber nicht auf Spanisch beigelegt sind (diese Logik!?) übersetzt und zurechtgemacht hatte, stand dem Spielspaß nichts mehr im Wege. Das Spiel, das meine Eltern mir eigentlich für mich privat hier gelassen haben, ist jetzt also im Büro verschwunden und wird dort mit größter Freude und Geduld gespielt.

Beliebt sind außerdem zwei Spiele, die Marietta mitgebracht hat. Ansonsten tummeln sich noch ein extrem abgenutztes Memory, zwei Quartetts und ein 11er Raus, bei dem die Hälfte der Karten fehlt, in unserem Spieleschrank. SAM_047311Filme für die Kinotage suchen wir uns meistens auf YouTube heraus, was sich allerdings zunehmend als Herausforderung entpuppt, da die meisten in Frage kommenden Filme, die wir noch nicht gesehen haben, entweder nur in mieser Qualität oder falsch formatiert, verfügbar sind.
Beim Basteln sind wir sehr darauf angewiesen, mit möglichst kostenlosem Material zu arbeiten. Das heißt: im Alltag die Augen offen halten! So kommen die meisten Bastelideen sehr spontan und immer darauf abgepasst, was uns zur Verfügung steht. Der Baum vor dem Haus wurde geschnitten? Super – dann basteln wir doch was mit Holz. Hauptbestandteile sind außerdem Flaschen, die alten Medikamentenkartons aus dem Centro de Salud, Eierkartons, Klorollen usw…
Armbänder aus Perlen machen, ist bei den Kindern auch immer sehr beliebt.
Aktivitäten, die nicht auf dem Plan stehen, sind vor Allem auf den Chilamate, einen riesigen Baum, zu klettern, bei den Hausaufgaben oder bei Referaten zu helfen, Twister zu spielen oder sonstigen denkbaren Quatsch mitzumachen.SAM_03621

Was haben Eure Vorgänger so gemacht?
Ich denke mehr oder weniger das Gleiche wie wir. 🙂

Was habt Ihr noch so geplant?
Geplant ist immer viel, was davon am Ende wirklich umgesetzt wird, ist leider eine ganz andere Frage. So hatten wir beispielsweise im Januar ein Projekt für minderjährige Schwangere geplant, welches in Kooperation mit dem Centro de Salud durchgeführt werden sollte. Daraus ist aber, wie mit vielen anderen Plänen auch, nichts geworden.
Das Thema „Englisch-Kurse“ ist gefühlt ebenfalls in Dauerplanung, wobei sich auch hier ständig alles ändert. ( – was mich nebenbei gesagt ziemlich wütend macht!)
Andere angedachte Pläne waren unter Anderem einen neu eröffneten Park in Managua zu besuchen und einen sportlichen Wettkampf zu veranstalten.

ABER WAS HALTE ICH VON DEM ALLEN?

Fast seit ich denken kann, sind Marietta und ich sehr unterschiedlicher Meinung was das Thema Arbeiten im Projekt angeht. Ich wurde immer wieder mit ihren Gedanken und Auffassungen konfrontiert, da wir uns generell oft und intensiv über Themen austauschen. Marietta zweifelt stark an unseren Tätigkeiten im Projekt und sieht in der Arbeit nur wenig Sinn. Ich muss zugeben, dass es eine Phase gab, in der auch ich ein wenig meine Motivation verloren habe! Vor Allem im Januar, wo wir auf der Arbeit kaum etwas zu tun hatten, da noch Schulferien waren und die meisten Kinder daher auch nicht ins Projekt gekommen sind, fing ich an, an allem zu zweifeln und viele Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Retroperspektiv kann ich jedoch sagen, dass genau diese Phase mit allen Zweifeln und Ewigem Kopfzerbrechen meine Sicht und meine Meinung auf das Projekt geprägt und gefestigt haben.SAM_04061

Aber was heißt das jetzt?

Nicht alles läuft perfekt! Vor Allem was die interne Kommunikation, die gemeinsame Organisation und die Zusammenarbeit betrifft, herrschen große Defizite.

Nein, bei weitem läuft nicht alles perfekt!

Es gibt Tage, an denen kommen kaum Kinder.
Es gibt Tage, an denen nervt es mich, dass ein Kind auch nach der dritten Erklärung nicht versteht, wie es funktioniert.
Es gibt Tage, an denen sich Kinder so schlecht benehmen, dass ich vor lauter Verzweiflung und Wut nicht weiß, wohin mit meinen Gefühlen.
Es gibt Tage, an denen könnte ich ausrasten, wenn ein Kind schon wieder versucht den neuen Spitzer, einen Bleistift oder die Klebetube mitgehen zu lassen.

Doch die eigentliche Frage dahinter ist doch das WARUM! Warum ist die Situation so? Warum verhalten sich die Kinder so?
Kinder kommen nicht, weil sie mithelfen müssen zu arbeiten. Sie kommen nicht, weil ihre Eltern ihnen verbieten, das Haus zu verlassen. Sie kommen nicht, weil sie einfach mal keine Lust haben zu kommen.
Kinder verstehen Sachen nicht, weil es ihnen niemand beigebracht hat. Sie verstehen es nicht, weil sie nicht angemessen gefördert werden oder gefördert werden können.
Kinder benehmen sich schlecht, weil sie es nicht anders vorgelebt bekommen. Kinder schlagen sich, weil sie von ihren Eltern geschlagen werden. Weil sie sich, genau wie ihre Eltern, nicht anders zu verständigen wissen.
Kinder lassen Sachen mitgehen, weil sie selbst kein Geld haben, um sie zu kaufen
.

Das alles sind keine Rechtfertigungen, und das Verhalten ist trotzdem nicht weniger unakzeptabel. Es sind lediglich Erklärungen, die das Verstehen erleichtern es begreiflicher machen. (Natürlich sind auch nicht alle Kinder so. Nicht alle Kinder werden geschlagen, nicht alle Kinder benehmen sich schlecht, nicht alle Kinder versuchen, Sachen mitgehen zu lassen. )

Wenn die oben beschriebenen Fälle eintreten, bin ich oft machtlos. Machtlos auf Grund der Sprachbarriere, machtlos auf Grund fehlender Ausbildung oder mangelnden Fachwissens und machtlos, weil ich oft auch viel zu perplex bin. Viele Erfahrungen, Gespräche und Reflexionen haben eines klar herausgestellt: Im Projekt fehlt eine ausgebildete, am besten spanisch sprechende Fachkraft! Vor allem für die Nachhaltigkeit des Projektes, die definitiv an manchen Stellen fehlt, wäre eine Fachkraft dringend notwendig.

Aber auch hier bin ich machtlos und kann diese Tatsache nicht ändern.
Was also tun? Das Beste rausholen!
Auch ohne das perfekte Spanisch. Auch ohne das dringend notwendige Fachwissen! Auch ohne eine perfekt ausgearbeitete nachhaltige Struktur. Einfach ich als Person, mit allen meinen Stärken & Schwächen.

Im Laufe der Zeit habe ich mich daher immer wieder mit den Fragen beschäftigt, was ich im Projekt erreichen möchte und was für mich Erfolg bedeutet.

Für mich zählt vor Allem eines: Dass Kinder Kinder sein können.

Im Projekt werden verschiedenste Möglichkeiten der Beschäftigung geboten. Möglichkeiten, die die Kinder zuhause definitiv nicht haben. Das liegt zum Einen an fehlenden Spielsachen, zum Anderen daran, dass die meisten Kinder schon früh andere Verpflichtungen haben. So passen Zehnjährige dann schnell auf die beiden jüngeren Geschwister auf. Zehn? Da sollte man meiner Meinung nach selbst noch Kind sein dürfen ohne die Verantwortung für ein kleines Geschwisterkind tragen zu müssen. ( Und wir reden hier jetzt nicht von einer halben Stunde während das Geschwisterkind schläft.) Das gleiche gilt natürlich auch für die unzähligen minderjährigen Schwangeren und Mütter, teilweise 12, 13, 14 Jahre alt, die viel zu früh eine viel zu große Verantwortung übernehmen müssen. Genauso spielt das Thema Kinderarbeit natürlich eine Rolle.

Nicht unwesentlich ist auch die Überlegung, dass die Kinder im Projekt mit Sicherheit besser aufgehoben sind, als wenn sie auf den Straßen herumlungern, nichts zu tun haben und im Worstcase-Szenario auf dumme Gedanken kommen.

Beim gemeinsamen Spielen im Projekt wird hingegen die Sozialkompetenz verbessert, Kinder können gefördert werden und unter unseren Augen kann ein halbwegs gesittetes Umfeld gewährleistet werden. SAM_049812

Aber zurück zu meiner eigentlichen Fragestellung. Was ist denn nun Erfolg?

Dass unausgebildete Teilnehmer des weltwärts Programmes mit ihrem Einsatz nicht die Welt retten können, war uns wohl allen klar. Mit diesem Ziel bin ich auch nicht nach Nicaragua gekommen. Auch von dem Gedanken, man könne als „Westler/in“ eher helfen, als ein Einheimischer, sollte man schnell Abschied nehmen. Ich kann vielleicht an anderen Stellen helfen, aber niemals würde ich von mir selbst behaupten, besser helfen zu können, als ein/e Nicaraguaner/in. Ich weiß durchaus, dass meine Hilfe auch gleichzeitig Last bedeuten kann. Das ist nicht immer so, aber durchaus manchmal und davor möchte ich weder meine Augen verschließen, noch die Sachen schöner reden, als sie sind.
Trotz allem, habe ich für mich beschlossen, dass mein Einsatz alles in Allem ein Erfolg ist!

Erfolg, das ist für mich ein lachendes Kind!

Erfolg, das ist ein „Ach so geht das!“, wenn ich etwas Neues erkläre.
Erfolg, das ist ein „Mama bevor wir gehen, will ich das erst noch fertig machen.“
Erfolg, das ist ein „Am letzten Montag, als du krank warst, war mir den ganzen Tag langweilig.“
Und Erfolg – das ist ein „Lea, bleib doch bitte noch länger!“

Erfolg ist etwas völlig subjektives, das jeder sehr individuell wahrnimmt. Für mich sind diese Kleinigkeiten sehr wichtig, da sie mir zeigen, dass die Kinder meine Anwesenheit schätzen und ihnen durchaus etwas daran liegt, dass sie jederzeit die Möglichkeit haben, ins Projekt kommen zu können.

In diesem Sinne, bin ich sehr zufrieden und freue mich auf die verbleibenden zwei Monate!
Grüße in die Welt,

eure Lea

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LIFE-Update – Was ist passiert?

Managua, 27.05.2017

65 Tage bis ich nach Hause komme! Wo ist die Zeit geblieben? Ich weiß es nicht. Genau so entsetzt bin ich, dass schon so viel Zeit vergangen ist, seit dem ich euch versprochen habe, darüber zu berichten, wie es mir mit der neuen Situation alleine in der Gastfamilie geht.
Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass wir die letzten Wochen lange kein Internet zuhause hatten und das Blog schreiben somit eher schwierig war. Zudem bin ich ziemlich beschäftigt gewesen, da ich auch irgendwie mein Leben nach Nicaragua organisieren muss – auch wenn mir das noch sehr weit weg vorkommt.

Als mein Countdowner mir „100 Tage“ angezeigt hat, habe ich begonnen jeden Tag etwas aufzuschreiben, auf das ich mich freue, das ich gelernt habe, das ich vermissen werde, das ich mir vornehme und das ich Essen möchte. Die Liste führt mir jeden Abend vor Augen, wie schnell die Zeit vergeht und wie bald ich bei 100 angekommen sein werde – und das ob ich will oder nicht!

Will ich? – Das ist die Frage.

Auf der einen Seite ja. Ich freue mich unglaublich darauf meine Freunde und meine Familie wieder zu sehen. Auch auf andere Sachen freue ich mich wirklich sehr. Aber auf der anderen Seite fallen mir auch eine Millionen Dinge ein, die ich so vermissen werde. Manchmal kommen mir die 65 Tage einfach zu wenig Zeit vor.

Ihr seht also, mir geht es gut (- wirklich Oma). Das hat verschiedene Gründe. Erstens macht mir die Arbeit im Moment total viel Spaß und mittlerweile verbringe ich auch wirklich viel Zeit dort. (Einen extra Blogartikel zu diesem Thema werde ich direkt im Anschluss hier posten.)
Dazu kommt, dass ich im letzten Monat an den Wochenenden wieder unglaublich tolle Wochenedausflüge gemacht habe und auch unter der Woche oft total beschäftigt war.
Auch Zuhause läuft es wirklich gut. Vor Allem meine Gastmutter ist in letzter Zeit viel offener, wir kochen zusammen, ich schreibe fleißig alle Rezepte auf und wir haben viel Zeit zu reden.

Das einzige, was die Stimmung drückt, ist der 1.Juni. In genau 5 Tagen wird Marietta zurück nach Deutschland fliegen. Die Auswirkungen werde ich wahrscheinlich erst im Nachhinein richtig zu spüren bekommen – traurig bin ich aber trotzdem jetzt schon. Der Gedanke daran, dass unsere gemeinsame Zeit, zumindest hier in Nicaragua, jetzt vorbei sein soll, ist einfach noch zu unwirklich. Meine engste Bezugs- und Vertrauensperson ist dann für die letzten acht Wochen einfach nicht mehr an meiner Seite. Schon jetzt fiebern wir aber auf den 21.August hin, an dem wir uns wieder sehen werden.

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Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen. Unser 1.gemeinsames Wochenede hier in Nicaragua.

Bevor mich das Ganze jetzt aber wieder zu traurig stimmt, berichte ich doch lieber von den vergangenen Wochenenden.
Springen wir in der Zeit zurück zum ersten Maiwochenende. Ich habe an diesem Wochenende zuerst eine Nacht bei Laura und anschließend eine Nacht bei Marietta geschlafen. Gut zusammen gefasst könnte man sagen, dass wir sehr viel gegessen haben. 😀

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Vor dem „richtigen“ Markt „Huembes“
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Einer von unzähligen Marktständen. Lebensmittel, Kunst, Handarbeiten, Pflanzen, Büroartikel, Küchenartikel, Möbel – das alles findet man hier auf dem Huembes.
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Direkt vom Markt sind wir ins Metrocentro. Der Unterschied könnte nicht größer sein.
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Laura beim Pizza backen 🙂
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& Marietta und ich beim Pizza essen 😀

Nach diesem also eher ruhigen Wochenende, das im Grunde genommen eben wirklich nur aus Essen bestand (was ihr nicht sehen könnt ist ein gigantisches Brunchbuffet am Samstag und Bananasplits am Sonntag), ging es am nächsten Wochenende doch deutlich aktiver zu. Ihr erinnert euch vielleicht daran, dass ich im März erzählt hatte, dass wir auf dem Telica, einem aktiven Vulkan, campen wollten. Damals haben wir leider den Weg nicht gefunden und hatten uns dazu entschlossen umzukehren, bevor es dunkel wurde. Allerdings haben wir uns fest vorgenommen zurück zu kommen, um es noch einmal versuchen. Genau das haben wir dann am besagten Wochenende getan.
Gestartet sind wir, das sind Jane, Natascha, Laura, Marietta und ich, dieses Mal von einem ganz anderen Ausgangspunkt, der ein wenig offizieller zu sein schien. Und siehe da, wir haben den Weg gefunden, zwar mit ein wenig Glück – aber wir kamen an.

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Landschaftsaufnahme auf dem Weg. Im Hintergrund könnt ihr den rauchenende Telica sehen.

Pünktlich mit dem Monat Mai hat hier in Nicaragua auch wieder die Regenzeit begonnen und so hat es die letzte Stunde des Aufstieges natürlich geregnet. Und damit meine ich auch wirklich geregnet – nicht das was wir in Deutschland als „Regen“ bezeichnen. Trotz Regenschutz waren alle meine Klamotten im Rucksack zumindest feucht & so folgte in der kompletten Woche darauf eine wirklich üble Erkältung… Das war es aber so was von wert!

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Nach 4 Stunden Wanderung völlig kaputt oben angekommen und erstmal ein Zeltpicknick!

Gleich danach haben wir uns oben genauer umgeschaut. Ein echtes Naturwunder sage ich nur! Nicht, dass der Vulkan nur unglaublich raucht, was schon beeindruckend genug wäre, wenn man davor steht – nein. Zudem hört & sieht man die Lava! Das kann ich einfach nicht so beschreiben, wie es in dem Moment war, aber glaubt mir, es ist magisch gewesen!

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am Rande des Kraters
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Um euch die Größe des Kraters zu verdeutlichen!

Nach netten und sehr witzigen Gesprächen ging es dann auch schon bald ab ins Bettchen. Die Nacht war ungemütlich, bitterkalt und am nächsten Tag hatte ich einen steifen Hals, sodass ich nicht nach links schauen konnte 😀 Trotzdem sind wir zum Sonnenuntergang aufgestanden und ich war heilfroh, dass es langsam wärmer wurde.IMG_74231.JPGIMG_73991GOPR2695_Moment (2).jpg
Nach einem kleinen Frühstück haben wir uns dann gegen acht Uhr auch schon wieder auf den Abstieg begeben. Wir waren schnell unten am Fuße des Vulkans, danach ging es immer der Nase nach. Keiner hatte wirklich eine Ahnung wo wir genau waren und so endete die Wanderung in einem abenteuerlichen Klettern, da wir einem trockenen Flussbett folgten, das alle 100 Meter um 3 Meter fiel. Als es schließlich gar nicht mehr weiter ging, da das Flussbett dann eher in einem Canyon endete, mit Felshöhen von bestimmt 10 Meter – wir natürlich oben, mussten wir einen anderen Weg einschlagen, der uns schließlich zur Straße brachte.
Ein wirklich tolles und erlebnisreiches Wochenende!

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Blick von oben zum Krater über eine sagenhafte Landschaft
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TODAY IS GONNA BE A VOLCANO DAY! Danke Mädels für diese tolle Zeit!

Nach diesen actionreichen 2 Tagen war dann am nächsten Wochenende wieder etwas Entspanteres angesagt. Marietta und ich entschieden uns dazu, das letzte richtige Wochenede am Strand zu verbringen. Eigentlich war der Plan, zu einem ganz anderen Strand zu fahren, als zu dem, an dem wir schlussendlich waren, aber wie das hier halt manchmal so ist, haben wir alle Pläne über den Haufen geworfen. Und ernsthaft, wir hätten nichts besseres machen können.

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Gelandet sind wir an diesem traumhaften Strand
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Noch dazu mit einer wirklich tollen Unterkunft

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Ach ja, das spontane Reisen ist schon wirklich schön und ich bin so froh das genau hier in Nicaragua gelernt zu haben!

Vergangenen Mittwoch sind wir nach der Arbeit noch nach Granada gefahren und haben ein paar schöne Stunden verbracht.

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Damit endet dieser Beitrag auch schon – ihr könnt aber gerne direkt im Anschluss noch bei meinem neuen Beitrag „Erfolg – ein Wort mit vielen Definitionen! – Ich spreche über mein Projekt!“ vorbeischauen.

Bis zum nächsten mal amig@s. Nos vemos pronto!

Lea

Über Urwaldabenteuer, Krankenhausbesuche & mehr

Hallo Du!

Schön, dass du wieder hier bist, um an meine neusten Erlebnissen in Nicaragua teilzuhaben. Dieser Blogartikel sollte schon viel früher online sein, als du ihn jetzt lesen wirst, dafür: sorry.
Ein kleines, widerliches Bakterium hat sich in meiner Magengegend eingenistet und mich für ein paar Tage aus dem Verkehr gezogen. Sämtliche Erfahrungen mit Ärzten & dem Krankenhaus in Nicaragua gibt’s also heute gratis dazu – leider.
Ansonsten ist der eigentliche Anlass dieses Artikels aber mein Urlaub, der noch nicht lang zurückliegt.
Der Woche vom 10. – 16. April stand für mich schon sehr lange im Voraus als freie Woche fest, da die Woche vor Ostern („Semana Santa“) nicht nur bei mir im Projekt, sondern auch allgemein praktisch DIE „Ferienzeit“ hier in Nicaragua ist. Alle Personen, die für die Regierung bzw. den Staat arbeiten, haben über diesen Zeitraum frei, was dazu führt, dass alle Menschen an den Strand fahren. (Recht haben sie, denn die Hitze ist momentan unerträglich!) Was sonst so in der Semana Santa im Land abgeht, sind Paraden, Prozessionen, ausgelebte religiöse Traditionen und Bräuche. Die Semana Santa ist das wichtigste Fest im Jahr und wird stärker gefeiert als Weihnachten! Es gibt auch traditionelle Speisen, die zu dieser Zeit wohl häufig gegessen werden, gemerkt habe ich das allerdings nicht, da es die besagten Speisen auch sonst öfter mal zuhause serviert werden.

Trotz dessen, dass für mich also seit Anfang an feststand, dass ich frei habe, (Achtung, bevor es zu Missverständnissen kommt: mein Projekt ist NICHT staatlich, trotzdem haben wir in der Einrichtung geschlossen!) wusste ich lange Zeit nicht, was ich über die Woche machen sollte. Noch schwerer fiel mir die Entscheidung mit dem Hintergedanken, dass dies definitiv mein letzter Urlaub sein würde. Demnach also auch die letzte Möglichkeit noch einmal Teile des Landes oder sogar Auslandes zu sehen, die sich nicht einfach über das Wochenende erreichen lassen.

Nach langem Überlegen habe ich mich schließlich für den Río San Juan entschieden. Falls euch der Name jetzt bekannt vorkommt, ihr ihn aber nicht einzuordnen vermögt:  der Name ist vielleicht schon einmal im Zusammenhang mit dem Nicaraguakanal gefallen. Es handelt sich um den Fluss nahe der Grenze zu Costa Rica.

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Fahrt auf dem Río San Juan

Begleitet wurde ich auf meiner Reise von Lina & Leoni, beide deutsche Freiwillige in Masatepe. Seit unserem Trip im November nach Jinotega, wo unsere Sachen geklaut worden waren, sind wir in der Kombi zu dritt auch nicht mehr unterwegs gewesen. Umso größer war natürlich die Vorfreude!

Nachdem wir den ganzen Samstag im Bus verbracht hatten, um von Managua einmal um den Nicaraguasee rum bis nach San Carlos zu fahren, konnte der Urlaub dann so richtig starten. Direkt am Samstag Abend hatten wir dann allerdings noch ein traumatisches Ereignis.
Wir sitzen nichtsahnend am Malecón und essen etwas zu Abend und unterhalten uns grade noch in diesem Moment darüber, dass die Stadt gar nicht so schlimm sei, wie uns zu Ohren gekommen ist, als ein Mann von dem nicht weit entfernten etwa 5 Meter hohen Steg in den See pisst. Kurz darauf taumelt er weiter und läuft, oder vielmehr stolpert, die kleine Treppe zu einem etwas tieferem Steg runter. Kein Zweifel mehr: völlig besoffen oder voll von sonstigen Substanzen. Er macht den Anschein, als wolle er sich hinlegen und ich sage schon zu den Mädels „Leute, der kotzt da jetzt bestimmt rein“, als der Mann kopfüber in den See fällt.
Ich kann es nicht halb so authentisch schreiben, wie es in der Situation wirklich war, aber dieses Bild geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Lina springt direkt auf, Leoni und ich sind viel zu perplex um irgendwas zu tun. Sie schreit nur der Frau im Comedor zu „El muchacho se cayó en el agua“ (Der Mann ist ins Wasser gefallen), da ist sie auch schon weg, um selbst hinterherzuspringen. Die Frau schickt direkt ihre Tochter los, die sich im Sprint aufmacht, die Polizei zu holen. In der Zwischenzeit bildet sich eine Menschentraub. Der Besoffene klammert sich mittlerweile schon an einem Balken des Steges fest. Das Hinterherspringen für Lina wird damit zum Glück überflüssig.
Die Polizei kommt 5 Minuten später in aller Seelen Ruhe, wechselt drei Worte mit irgendwelchen Passanten und hat damit auch erst einmal wieder genug gearbeitet. #dieseKompetenz #keineWortedafür

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10 Minuten nach dem Vorfall: Die Polizei chattet und raucht, während der Besoffene immernoch irgendwo auf dem Steg liegt

Montag Morgen: Nächste Katastrophe.
Nachdem wir super lecker gefrühstückt hatten (Deutsche Bäckerei sei Dank) machten wir uns auf zum Bootsanleger, um den Weg nach „El Castillo“ zurück zu legen.  Am Anleger mussten wir dann noch über eine Stunde warten. Die Tickets hatten wir natürlich schon gekauft und entspannt konnten wir in der Wartehalle das Championsleague Spiel schauen, was dort auf einem großen Flachbildfernseher übertragen wurde (ja, und das in Nicaragua!). Kurz bevor wir dann endlich hätten einsteigen können, hat sich die Migration wohl gedacht, ach ein paar Weiße, na die kontrollieren wir doch mal. Keiner, aber auch kein einziger Mensch außer uns wurde kontrolliert. Hallo? Unter den anderen (dunkelhäutigen) Menschen hätten ebenfalls Ausländer sein können, Costa Ricaner, Panamesen, Honduraser, Guatemaler usw.!
Ich hatte zwar meinen Orginalreisepass dabei, Lina und Leoni jedoch nur eine Kopie bzw. ein Foto der Daten und der Visaverlängerung. Das ginge aber nicht, das könne man ja nicht richtig überprüfen. Nach langem Diskutieren schließlich folgender Satz „Las llevamos“ (Wir nehmen sie mit) – Die Blicke, die wir in diesem Moment ausgetauscht haben, müssen unbezahlbar gewesen sein. Mitnehmen? Aber wieso? Und wohin? Wir wollen doch nach „El Castillo“! – Nein, diskutieren half nichts, wir mussten mitkommen. Also ging es zur Migration und zu einem Gespräch mit dem Chef. Der sagte uns natürlich nichts Neues, sondern nur, dass wir uns in einer Grenzregion bewegen würden, und dass zudem ja Semana Santa sei. Bla bla bla.
Seitdem mieden wir für den Rest des Urlaubes wohlwissend die Beamten in blauer Uniform.

Wir schafften es trotzdem noch nach „El Castillo“. Mit dem Boot sind es von San Carlos aus etwa 2 Stunden Fahrt mit einigen wenigen Zwischenstops, bei denen Personen zu- oder aussteigen. Hier blende ich Euch einige Impressionen der Fahrt ein:

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Jetzt aber doch endlich zu „El Castillo“…

„El Castillo“ ist ein süßes, verschlafenes Fischerdorf, in dem es weder Autos, noch Straßen gibt. Der leicht karibische Flair und das Inselfeeling tragen dazu bei, dass die Zeit stehen zu bleiben scheint. Das Leben läuft langsamer ab und das wirkt sich dementsprechend auch auf einen selbst aus.

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Alle „Straßen“ höchstens so breit wie diese. (Models von links nach rechts: Leoni Tuani, Lina Äntonze)
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Ausblick auf das Dorf

DIE Sehenswürdigkeit in „El Castillo“ ist eine Festung, die 1675 von den Spaniern zur Verteidigung erbaut wurde. Damals war sie die bestausgestattetste Festung Zentralamerikas. Auf Grund der weiten Sicht flussabwärts, eignete sich die Stelle strategisch gesehen perfekt, um mögliche Angreifer schon weit im Voraus zu erspähen. Das mussten wir natürlich erst einmal selbst überprüfen.

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Und tatsächlich: Die Aussicht ist beeindruckend!

Am nächsten Tag ging es von „El Castillo“ mit einer gebuchten Tour weiter flussabwärts Richtung Atlantikküste/Karibikküste. Am Tag zuvor hatten wir glücklicherweise Kate, eine gebürtige Belgierin, aufgewachsen in aller Welt, kennengelernt, weshalb wir zu viert unterwegs waren und das Ganze noch bezahlbar blieb. Unser Ziel war das sogenannte „Basecamp Bartola“. Bartola nennt sich die Community, die mitten im Regenwald, an einem der wohl wunderschönsten und außergewöhnlichsten Orten dieser Welt wohnt. Und genau bei dieser Community, die sich für nachhaltigen Ökotourismus einsetzt, haben wir dann eine Nacht verbracht. Doch eins nach dem Anderen.
Wir fuhren also zunächst eine halbe Stunde mit dem Motorboot flussabwärts, während dessen uns der nette „Fahrer“ (sagt man das!?) eine Menge Tiere zeigen konnte. Schließlich bogen wir in einen Nebenarm vom Río San Juan: in den Río Bartola. (Daher auch der Name der Community.) Keine fünf Minuten später war die Reise mit dem Motoboot zu Ende und wir wurden von 4 Jungs der Community abgeholt und in Empfang genommen. Von dort aus wurden wir in Booten aus einem einzigen Holzstamm circa 2 Stunden lang flussaufwärts gebracht. Auf Grund des niedrigen Wasserpegels, werden die Boote mit langen Holzstäben angeschoben – echte Knochenarbeit! Auf dem Weg durch den Regenwald wurde immer deutlicher, was der Hurricane im November tatsächlich angerichtet hatte. Manche von Euch hatten mich wegen des Erdbebens und des Hurricanes ja sogar angeschrieben gehabt, um zu fragen, ob alles okay sei, doch ich hatte in Managua kaum etwas mitbekommen. Die Gegend rund um den Río San Juan wurde jedoch ziemlich schlimm verwüstet. Hier nur einige Beispiele:

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Nach den 2 Stunden im Boot kamen wir schließlich im Basecamp an. Dort wurden wir zunächst mit einer Kokosnuss begrüßt und konnten uns umschauen.

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Nach dem Mittagessen hatten wir dann erst einmal Zeit ein wenig in den Hängematten zu entspannen. Am Nachmittag waren wir dann für 15 Uhr mit unserem Tourguide verabredet. Da haben wir dann die Pferde gesattelt und ab ging es zu einer nahegelegenen Kakaofinka, wo wir selbst Schokolade hergestellt haben! (Okay, es war eher eine Masse, aber geschmeckt hat sie!)

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Ritt zur Finka
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Zum Schoki selbst machen, muss man natürlich zunächst die Kakobohnen kochen, schälen, zerkleinern, und und und…

Während des Ausfluges konnte ich mich auch mit einigen Menschen aus der Community austauschen und so erfahren, dass insgesamt 26 Familien dort leben. Das war weit mehr als ich geahnt hatte, bisher hatte ich vielleicht 10 Menschen gesehen! Immerhin ist es mitten im Regenwald, umgeben von nichts außer Pflanzen, Tieren und wieder Pflanzen. Zur nächten Stadt benötigt man mindestens 2 Stunden. Im Gespräch erfahre ich, dass es für die „Primaria“ (Grundschule) eine Schule in der Community gibt. Für die höheren Jahrgangsstufen müssen die Kinder und Jugendlichen einmal die Woche (Samstags) bis nach „El Castillo“ fahren, um in den Unterricht zu gehen. Dann bekommen sie für die nächsten Tage neue Aufgaben. Eine kleine Kirche gibt es auch im „Ort“, das ist immer sehr wichtig. Wenn Frauen schwanger sind, fahren sie circa ein bis zwei Wochen vor Geburtstermin nach San Carlos (Weg: 4-5 Stunden), um ins nächste Krankenhaus zu kommen.
Beim Abendessen bin ich neugierig und frage unsere Köchin, wann sie das letze Mal in „El Castillo“ oder außerhalb der Community war. Sie antwortet: Vor 6 Monaten. Aber es gäbe wohl auch Leute, die zwei, drei Mal die Woche dort sind.

Für mich ist das eine Form des Lebens, die unvorstellbar ist, unverständlich jedoch keines Falles. Ich glaube, dass ist eines der wichtigsten Dinge, die ich hier begriffen habe. Nur weil es für mich so ist, muss das doch für die anderen nicht so sein, oder? Und nur weil andere etwas sagen, denken, machen oder mögen, heißt das lange nicht, dass für mich das gleiche gilt.
Logisch? Logisch!
Den Menschen sind eben einfach andere Dinge wichtig. Prioritäten bestimmen das komplette Dasein. Und dass die Leute hier in der Community völlig glücklich sind, daran hege ich keine Zweifel.

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Faultierbild Nr. Ichhabaufgehörtzuzählen

Die Natur meinte es gut mit uns. Wir durften den wundeschön eingefärbten Abendhimmel anschauen, gefolgt von einem unglaublichen Mondaufgang. IMG_66241IMG_66491

Den nächsten Tag starteten wir bereits früh, um uns um 06 Uhr auf eine kleine Wanderung durch den Regenwald zu machen. Die leidenschaftliche Fotografin in mir ist fast ausgerastet vor Glück und vor Freude über das tolle Licht (und natürlich auch die Motive!)IMG_66891.JPGIMG_66921
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Papageien, stets zu zweit als Pärchen unterwegs
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Wenn diese ganzen Schmetterlinge anfangen zu fliegen, Mensch das sieht toll aus!

Anschließend haben wir erst einmal lecker gefrühstückt, bevor wir dann alle noch einmal in unseren Hängematten eingeschlafen sind.

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Na dann Gute Nacht 🙂

Leider hat alles ein Ende und gegen 14 Uhr mussten wir schon wieder Richtung „El Castillo“ aufbrechen. (Wieder mit den Booten, diesmal aber wenigstens Flussabwärts.) Vor dem Aufbruch ist noch dieses schönes Bild von uns entstanden.

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von links nach rechts: Leoni, Lina, Lea , Kate

Auf dem Rückweg hat unser Guide uns noch einmal auf den Hurricane aufmerksam gemacht, hat erzählt, dass viele Tiere nichts mehr zu essen gefunden haben, manche sogar gestorben seien. Auch allgemein seien so viele Bäume umgefallen, dass es kaum noch Schatten gäbe und dadurch der Wasserspiegel durch die verstärkte Sonneneinstrahlung extrem gesunken sei. Wow. Mehr Auswirkungen als ich zunächst angenommen hatte.
Übrigens beträgt die Differenz des Wasserspiegels im Vergleich zur Regenzeit (Mai bis November) ganze 3 Meter. Schwer vorstellbar, wo der Fluss momentan an manchen Stellen kaum mehr als 20 Zentimeter tief ist. Es wird aber auch einfach mal wieder Zeit, dass es anfängt zu regnen!IMG_67961IMG_68501IMG_68861IMG_68871Die folgende Nacht haben wir wieder in El Castillo geschlafen, bevor es am nächsten Tag zurück nach San Carlos ging, um von dort aus „Solentiname“, ein Inselarchipel im Nicaraguasee, bestehend aus 36 Inseln, zu erkunden.

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Falls ihr euch mal kurz orientieren wollt, bittesehr 🙂 [Quelle: Moon Travel Guides]
Solentiname ist ein Naturparadies – keine Autos, wenig Lärm, dafür umso mehr Natur und Vögel. Bekannt sind die Inseln vor Allem für ihr Kunsthandwerk und die atemberaubenden Sonnenuntergänge. Es gibt nicht viel zu berichten, wir haben uns treiben lassen, die Inselchen erkundet und die letzten Urlaubstage genossen.

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Nach einer wunderschönen Woche mit vielen tollen, neuen Eindrücken, ging es dann am Samstag zurück nach Managua. Nach über 11 Stunden Reisezeit (3h Boot + 8h Bus) kam ich endlich zuhause an. Bereits um 17 Uhr fiel ich in mein Bett, ich war eben müde – dachte ich. Ich stand bis heute, Donnerstag, 5 Tage später nicht mehr auf.
Nachdem ich den kompletten Sonntag schlafend, mit bis zu 40 Grad Fieber und den unglaublichsten Bauchkrämpfen im Bett verbracht hatte und auch am Montag einfach keine Besserung in Sicht war, ordnete Tina, meine Seminarleiterin sofortige Einweisung in die Notaufnahme an. Ich würde ja jeden Moment dehydrieren, bräuchte einen Tropf, ein Antibiotikum, und und und. Ich hielt das im ersten Moment für völlig übertrieben, hatte aber keine Wahl und machte mich also in Begleitung von meiner Gastmama auf in die Notaufnahme einer Privatklinik.
Dort angekommen durfte ich zunächst 150US$ Cash zahlen, sonst rühren die Ärzte keinen Finger.
Ganz schön viel für einen kurzen Check dachte ich mir, hatte aber auch diesmal keine  andere Wahl. Abgesehen davon wird es natürlich ohnehin zurückerstattet.
Es wurden also alle möglichen Tests gemacht, von denen ich nur die Hälfte verstand und noch weniger verstehen wollte, bevor es hieß, gut, wir müssten dann noch eine kleine Blutprobe nehmen. (Für alle, die es nicht wissen: ich war noch nie in meinem Leben im Krankenhaus [außer bei meiner Geburt] und habe auch noch nie eine Spritze oder sonst etwas bekommen.) Blutprobe also? Allein da sprangen bei mir schon alle Alarmglocken an.
Aber es sollte noch besser kommen, denn letzenendes musste ich wirklich an den Tropf. Ich bekam also einen Zugang in meine rechte Hand gelegt, durch die dann die nächsten 90 Minuten irgendeine Flüssigkeit in mich reinfließen sollte. 15 Minuten nachdem die Schwester das Zimmer verlassen hatte, kam sie auch schon wieder rein. „Oh, jetzt habe ich ja ganz vergessen, das Blut zu nehmen, jetzt müssen wir leider auch noch die andere Hand nehmen.“ Na super!
30 Minuten kommt die nächste Schwester herein „Oh, Entschuldigung, die Kollegin hat leider nur eine Probe genommen, wir bräuchten allerdings zwei. Da die Hände ja ausscheiden, nehmen wir jetzt am besten die linke Ellebeuge“ #daaaaaanke
Ich zählte jede dieser 90 Minuten und hoffte darauf, bald gehen zu können, bevor die Schwester mir mitteilte, dass danach wohl noch eine andere Infusion von 3 Stunden kommen werde.
Nachdem ich auch das über mich ergehen lassen musste bekam ich noch ein Antibiotikum, ebenfalls über den Zulauf, dass glücklicherweise abgebrochen werden musste, da nach 20 Minuten mein kompletter rechter Arm rot und voller Pusteln war. Das kann doch einfach alles nicht wahr sein, dachte ich mir. Aus dem erhofften kurzen Check wurden somit 6 Stunden Aufenthalt. Meine Gastmama hat sich nicht minder aufgeregt und den Ärzten und Schwestern ihre Empörung über das unkonzentrierte Arbeiten auch deutlich zu verstehen gegeben.
Ich konnte schließlich mit einem zweiseitigen Rezept das Krankenhaus verlassen und nehme seitdem brav meine Medikamente – auch wenn die echt eklig sind.

Ich liege also zuhause rum und kann nichts machen. Ich habe Lust wie nie zu vor mit den Kids auf der Arbeit zu spielen, zu puzzlen, zu malen, zu basteln, ihnen Sachen zu erklären, und und und. Das Zuhause Rumhängen macht mich wahnsinnig und ich hoffe, dass ich bald wieder fit bin und endlich wieder arbeiten gehen kann.

Ich hoffe Euch geht es allen gut, ich sende Grüße in die Welt und drücke Euch!

Eure LeaIMG_68681

Mein März

Buenos días meine Lieben!

Ich dachte mir, ich melde mich mal wieder bei euch & erzähle was hier im Moment so abgeht! Daher zuerst einmal das obligatorische Update…

Mir geht es nach wie vor gut hier in Nicaragua. Meine Eltern sind jetzt mittlerweile schon seit mehr als vier Wochen weg und bei mir hat sich der Alltag wieder eingependelt. In meiner ersten Arbeitswoche hatten wir Besuch von einer deutschen Freiwilligen, die vor zwei Jahren (2014-2015) hier in Nicaragua war. Sie hat im gleichen Projekt gearbeitet und ebenfalls in der Gastfamilie gewohnt, in der ich jetzt wohne. Es war sehr spannend sich mit ihr auszutauschen und sich auch ihre retroperspektive Sicht zu bestimmten Problemen und Situationen anzuhören. Auch persönlich habe ich mich einfach gut mit ihr verstanden und so haben wir einige Nachmittage in dieser Woche gemeinsam auf der Terasse verbracht, Wassermelone gegessen und geplaudert.
Ich glaube, dass sie maßgeblich dazu beigetragen hat, dass ich nach der Abreise meiner Eltern nicht in ein „Tief“ gerutscht bin. Meine Stimmung hätte jedenfalls allen Grund gehabt zu kippen. Meine Eltern waren nach Hause geflogen, ich musste wieder arbeiten (und konnte nicht länger am Strand faulenzen) und Marietta würde ausziehen, was noch weitere Änderungen in meinem Alltag mit sich bringen würde. Das bringt mich natürlich auch gleich zu dem folgenden Punkt: meine Wohnsituation.
Wie ich in meinem Blogartikel vom Seminar ja geschrieben hatte, gab es zwischenzeitlich die Überlegung, ob Marietta und ich die Gastfamilie wechseln werden. Vielleicht auch dazu einige Worte, da ich weiß, dass sich doch einige von euch diesbezüglich Sorgen gemacht haben. Für die, die sich nicht mehr genau daran erinnern, füge ich euch hier noch einmal ein, was ich damals am 10.Februar geschrieben hatte.

Um Euch die ganze Situation nicht vorzuenthalten möchte ich sie hier kurz erklären. Schon seit längerem gab es immer wieder Momente in der Gastfamilie, in denen ich mich verstärkt als „zahlender Gast“ gefühlt habe. Seit Martha in die USA gegangen war, redete kaum noch jemand mit uns und ob wir zuhause waren oder nicht, gegangen sind oder nicht oder das gemacht haben, was wir wollten, hat niemanden großartig interessiert. Die Wohnsituation an sich, wie ich sie bereits im letzten Jahr beschrieben hatte, wäre für mich nie ein Grund gewesen, die Wohnsituation zu wechseln. Nach wie vor fühle ich mich in meinen sechs Quadratmeterchen wirklich wohl und zuhause. Das einzige Problem, was sich für mich über die Zeit zugespitzt hatte, war der eher mäßige soziale Kontakt, die seltene Kommunikation und die fehlende Integration. Schwierig ist vor Allem, dass die Gastfamilie eng in Verbidung mit der PO steht, und ich deshalb Spannungen oder gar Probleme befürchte, falls wir tatsächlich die Gastfamilie verlassen sollten.

Unsere damalige Überlegung war also, zusammen aus der Familie zu gehen und in eine WG zu ziehen, in der schon eine unserer Mitfreiwilligen untergebracht ist. Marietta ist für die Zeit, in der ich mit meinen Eltern im Urlaub war, auch tatsächlich in diese WG gezogen. Das Problem, das sich anschließend ergab, ist, dass in der WG nur ein Zimmer frei ist. Da es Marietta in der WG gut gefallen hat, und sie sich ohnehin leider immer unwohler hier gefühlt hat als ich, wird sie also jetzt dauerhaft dorthin umziehen. Es ist keine ideale Lösung, da ich eigentlich die ganze Zeit gesagt hatte, dass ich ungerne alleine bleiben würde, aber da es keine andere Option gibt, heißt es jetzt, die Situation akzeptieren und das Beste daraus machen. Daher werde ich ab nächste Woche alleine hier wohnen. Mittlerweile habe ich mich im Grunde genommen auch mit der Tatsache angefreundet und es ist okay für mich. Mal sehen, ob sich meine Meinung dann noch ändert, wenn Marietta wirklich ausgezogen ist.

Was die Arbeit betrifft gibt es eigentlich keine großartigen Neuigkeiten. Alles hat seinen gewohnten Lauf. Englisch Kurse haben wir im Moment keine, was ich relativ schade finde, auch im Hinblick darauf, dass ich nur noch vier Monate hier bin und wenn wir jetzt noch einmal einen neuen Englisch Kurs aufziehen, dann sollte das jetzt bald passieren, ehe es sich gar nicht mehr lohnt. Es dauert leider aber alles etwas länger und durch mangelnde Kommunikation auf der Arbeit kann ich auch nicht genau sagen, wo das Problem liegt. Nachdem wir im Januar neue Englisch Kurse angefangen hatten, waren die Altersklassen von Kindern und Erwachsen sehr vermischt, woraufhin wir gesagt haben, dass wir das Ganze gerne etwas strukturierter angehen würden. An dieser „Struktur“ arbeitet unser Chef jetzt seit knapp vier Wochen und es scheint sich leider nicht wirklich etwas zu tun. (Kein Kommentar dazu…)
ABER ich bleibe zuversichtlich, dass wir es vielleicht dann doch noch einmal hinkriegen!
Ich poste euch hier drunter einfach mal wieder ein paar Bilder und Eindrücke aus meinen letzten Arbeitswochen.

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Anlässlich des internationalen Frauentages (8.März) haben wir ein Plakat zum Thema Frauenrechte gestaltet.

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Nachdem ich morgens die Kids von den Straßen gesammelt habe, hatten wir nach längerer Zeit auch mal wieder ein ziemlich volles Videoforo

Was ich euch erfreulicherweise übrigens noch erzählen kann, ist, dass ich vor Kurzem 300 US$ Schadensersatz von der Herberge erhalten habe, in der mir im November mein Handy und einige andere Sachen geklaut wurden. Nach längerem Emailverkehr und einigen Problemen, da eine Geldtransferierung auf mein deutsches Konto, von dem ich hier Geld abhebe, 70 US$ Gebühren gekostet hätte, haben wir uns schließlich persönlich getroffen und ich konnte die Geldsumme in Empfang nehmen. Ich finde 300 US$ eine angemessene Summe. Es ist nicht annähernd so viel, wie ich „Verlust“ gemacht habe, aber gleichzeitig weiß ich, dass es für diese kleine Herberge viel Geld ist, und überhaupt unglaublich nett ist, mir immerhin diese 300 US$ zu erstatten.
Bei dem Treffen hat mir die Frau dann noch erzählt, dass die Polizei nichts weiter herausgefunden habe (alles andere hätte mich auch sehr gewundert), die Sicherheitsbedingungen in der Herberge aber verbessert worden seien. Mir läuft es auch heute, vier Monate später, noch kalt den Rücken herunter, wenn ich an diese Nacht zurück denke. Umso mehr erfreut es mich, dass die Sicherheitsbedingungen verbessert wurden.

Wie immer gibt es natürlich auch neue Bilder von meinen Wochenendaktivitäten im März.

Eine Woche nachdem meine Eltern weg waren, sind wir zum Strand „Pochomil“ gefahren, der von Managua aus mit dem Bus in zwei Stunden zu erreichen ist. Wie immer war es ein schöner Tag – wie immer hatte ich abends aber Kreislaufprobleme, da wir den ganzen Tag in der prallen Sonne gelegen hatten. Dazu kam, dass der Rückweg nach Managua sich sehr abenteuerlich gestaltete. Abgesehen davon, dass wir den letzten Bus fast verpasst hatten und daher so spät dran waren, dass wir stehen mussten – wohlgemerkt in einer besoffenen Menschenmasse, von der sich ein älterer Herr auf Grund übermäßigen Alkoholkonsums dann auch noch unmittelbar neben uns übergab, hatte unser Bus einen relativ heftigen Unfall mit einem Pick-Up. Glücklicherweise handelte es sich nur um einen Blechschaden, trotzdem war der Pick-Up Fahrer wohl ganz schön am Ende. Wir Fahrgäste mussten natürlich alle aussteigen und eine Stunde lang auf einen Ersatzbus warten, der uns dann doch noch nach Managua brachte.IMG_32561IMG_32311

Das nächste Wochenende (11./12.03) gehört wahrscheinlich zu einem meiner liebsten Wochenenden hier in Nicaragua. Am Freitag Nachmittag haben wir uns zusammen mit zwei Freunden auf den Weg nach León gemacht. Samstags hieß es dann früh aufstehen, da wir bereits um 06 Uhr morgens den Weg zum Vulkan „El Hoyo“ antraten. Wie immer hatten wir vorher nichts organisiert und auch keine Tour gebucht, die uns vermutlich über 50US$ pro Person gekostet hätte. Stattdessen organisierten wir uns einen Ride und bestiegen den Vulkan auf eigene Faust. Das frühe Aufstehen machte sich eindeutig bezahlt, da wir zumindest beim Aufstieg noch relativ angenehme Temperaturen hatten. Der Weg ist nur 5,6 Kilometer lang und der Vulkan „El Hoyo“ gilt als einer der am leichtesten besteigbaren Vulkane Nicaraguas. Nach der ersten halben Stunde relativ starker Steigung, wurde der Weg schon bald zu einem „Spaziergang“ wie Marietta es nannte. Das ist vielleicht ein wenig übertrieben, doch ich konnte die Tour auf jeden Fall in vollsten Zügen genießen. Oben angekommen wurde man mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt! „El Hoyo“ heißt übrigens auf deutsch „das Loch“. Diesen Namen erhielt der Vulkan auf Grund des riesigen Loches, das oben in Kraternähe prankt.IMG_57221IMG_54981IMG_54451IMG_55001IMG_56801IMG_56201IMG_56661

Am Sonntag Abend waren Marietta und ich zusammen mit unserer Gastmama im Nationaltheater, in dem unser Gastbruder eine Aufführung seines Ballettes hatte. Es ist das Nationalballett Nicaraguas, das international auftritt, wodurch mein Gastbruder auch schon die Chance hatte, in Belgien, Frankreich, Costa Rica und anderen Ländern zu tanzen. (Im Juli fliegt er erneut nach Frankreich und Spanien.)
Mir hat die zweistündige Aufführung wirklich sehr gut gefallen!

Das Wochenende darauf (18./19.03) haben wir in Estelí verbracht. Wie immer wenn wir in Estelí (oder auch in León) sind, haben wir natürlich bei SONATI geschlafen. SONATI ist ein non-profit Hostel, das mit den eingenommenen Geldern kostenlose Umweltbildung für Kinder betreibt. In León haben wir übrigens auch zwei Mitfreiwillige, die in SONATI arbeiten. Super Sache also!
Am Samstag quälten wir uns um fünf Uhr morgens aus dem Bett, um im Naturschutzgebiet „Miraflor“ wandern zu gehen. Auch hier hatten wir uns wieder gegen eine Tour entschieden und uns dummerweise auch ohne Reiseführer auf den Weg gemacht. Was ist also passiert? Wir haben die Größe des Naturschutzgebietes leicht unterschätzt. Einen touristisch aussehenden Eingang haben wir aus dem Bus auch vergeblich gesucht. Der Regen (in der Trockenzeit?!) hat uns schlussendlich zu der Entscheidung gebracht, einfach gar nicht auszusteigen und das Ganze als eine „Fail-Aktion“ abzustempeln. Nach drei Stunden Bus fahren, haben wir uns allerdings doch gesagt, dass es das nicht gewesen sein kann, und stiegen kurzerhand einfach mitten im Nirgendwo aus, mit der Bitte, dass der Bus uns auf dem Rückweg doch bitte wieder einsammeln solle. (Der Bus musste ab diesem Zeitpunkt schätzungsweise noch 15 Minuten fahren, machte dann eine Stunde Pause und kam anschließend wieder zurück). Wir wanderten also die Schotterpiste entlang und waren, zumindest gefühlt, irgendwie fast genauso schnell wie der Bus unterwegs. Wir hatten also fast 3 Stunden zum Wandern Zeit und sind schätzungsweise circa zehn bis zwölf Kilometer weit gekommen. Das Ergebnis waren leider zwei sehr schmerzhafte Blasen an meinen Füßen, alles in allem aber trotzdem eine überaus glückliche, ausgepowerte Lea.

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Ja, auch das ist Nicaragua. Zur Abwechslung auch mal ganz erfrischend, trotzdem bin ich froh gewesen, als es wieder zurück ins Warme ging!

Am darauffolgenden Wochenende (25./26.03) wollten wir uns erstmals wagen, auf einem Vulkan zu schlafen. Dafür hatten wir uns den aktiven und zuletzt 2015 ausgebrochenen Vulkan Telica in der Nähe von León ausgesucht. Zusammen mit Jane, Natascha und Elena, drei befreundeten Freiwilligen, die ebenfalls hier in Managua wohnen, haben wir uns also am Samstag Morgen an der UCA, einem der vier Busbahnhöfe, getroffen, um nach León zu düsen. Dort angekommen haben wir auf dem Weg ins Stadtzentrum zunächst eine Nicaraguanerin getroffen, die uns ansprach, weil sie uns Deutsch reden gehört hatte. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie die letzten sechs Monate auf Grund eines Auslandssemester in Darmstadt verbracht hatte und erst kürzlich wieder zurückgekehrt war. Manchmal ist die Welt so klein, vorallem weil Jane auch in Darmstadt wohnt. So ein Zufall!
Eine Stunde später hatten wir alles organisiert, was noch zu organisieren gewesen war und mit 8l Wasser (und dementsprechendem Gewicht) und Zelten bepackt ging es zurück zum Busbahnhof.
Nach 20-minütiger Fahrt wurden wir vom Busfahrer schließlich darauf hingewiesen, dass wir bald da seien. Ein wenig verwundert, da kein Vulkan in der Nähe zu sehen war, erkundigten wir uns noch einmal, ob hier der Parkeingang zum Telica sei. Der Busfahrer begann herzlich zu lachen.
Wieso? Nun ja, keiner von uns wusste, dass es auch ein Dorf gibt, dass ebenfalls Telica heißt. Wo waren wir also gelandet? Richtig, im Dorf.
Wie immer haben wir aber kein Drama daraus gemacht, sondern sind an der nächsten Kreuzung aus dem Bus gesprungen um auf den richtigen Bus zu warten.
Nach nur 10 Minuten Fahrt sind wir dann an der angeblich richtigen Stelle rausgeschmissen worden. Das einzige Problem war, dass wir keinen blassen Schimmer hatten, wo wir waren. Der nächste Einheimische wurde daher mit unseren Fragen überhäuft und so bekamen wir eine relativ genaue Wegbeschreibung in den Sand gemalt. Abgesehen davon, dass der Weg durch ein trockenes Flussbett führte und uns das Ganze ein wenig kurios vorkam, hatten wir doch immerhin annähernd eine Idee der Strecke und machten uns dankbar für die Auskunft auf den Weg. (Kurze Erinnerung: 35Grad in der knallenden Mittagssonne, Sch**ß schwerer Rucksack und staubiger Sandweg ohne Widerstand).
Die Beschreibung schien zunächst sehr genau zu sein und auch während des Laufens für alle gut nachvollziehbar. Nach zwei Stunden Wanderung verlor sich der Weg allerdings. Trotz ausgiebiger Suche, ob der Weg nicht doch irgendwo weitergehe, wurden wir nicht fündig. Google Maps konnte uns auf Grund des schlechten Internetemfanges auch nicht weiterhelfen und auch der Versuch Mitfreiwillige anzurufen, die den Vulkan schon bestiegen hatten, scheiterte. Hinzu kam, dass um uns herum einzelne Teile des Waldes gebrannt haben (ob beabsichtigt oder nicht konnten wir nicht festestellen) und wir uns zwischenzeitlich schon Fluchtpläne ausdachten, um einem eventuell komplett ausbrechenden Feuer zu entkommen. (Da haben wir vielleicht aber auch ein wenig übertrieben.)
Wie ist der Tag nun zu Ende gegangen? Wir sind umgekehrt und zurück ins Dorf gelaufen. Dort hat man uns gesagt, dass wir wohl eine falsche Abzweigung genommen hätten, dass das aber wohl auch einer Gruppe junger Backpacker vor einigen Tagen passiert sei. Ich ärgerte mich zugegebenermaßen schon ein wenig, doch die Laune blieb gut und wir entschieden, im Mai einen neuen Versuch zu wagen.
Zurück nach León fuhren wir den ersten Teil der Strecke auf einem Bananentransporter, auf dem folgendes Bild von uns entstanden ist. IMG_59601Zum Abschied bekamen wir einen Haufen Bananen geschenkt, die wir widerum an den nächsten Fahrer weiter gaben, der uns freundlicherweise den zweiten Teil der Strecke bis nach León mitnahm. Auf dem Weg dorthin hielten wir einen Moment bei dem Bruder des Fahrers an, der ein wenig Smalltalk mit uns betrieb und aus dessen Garten wir ein Dutzend Mangos mitnehmen konnten. Von diesen verschenkten wir einige an ein nicaraguanisches junges Mädchen, das uns später am Abend am Busbahnhof begegnete. Was für ein schöner Tag!
Um diesen ausklingen zu lassen, saßen wir zurück in Managua noch bis in die Nacht bei den Mädels auf der Terasse, quatschten und lachten.

Das soll es soweit auch erst einmal gewesen sein!
Ich habe einige Ideen und teilweise auch Entwürfe für weitere Blogbeiträge, unter anderem Artikel wie „Dinge, die mich richtig ankotzen“ oder „Vorurteile vs. Realität“. Sagt mir doch gerne, was ihr davon haltet oder welchen Beitrag ihr lieber (oder zuerst) hättet. Über Rückmeldung bin ich euch wie immer sehr dankbar!
Alternativ könnte ich natürlich auch einen Artikel hochladen, in dem ich eure Fragen beantworten könnte, sofern ihr welche habt. Also lasst mich doch einfach über Facebook (Lea Günster) , Instagram (leaguenster) , Email (lea.guenster@web.de), per Telefon- oder Skypegespäch oder einfach hier in den Kommentaren wissen, was ihr denkt – Vielen Dank!

So Freunde, ich hau mich jetzt in die Hängematte & genieße eine frische Kokosnuss, die heute Morgen bei uns im Garten geerntet wurde!IMG_60011.JPG
Viele liebe Grüße
eure Lea

Besuch aus Deutschland – Nicaragua mit anderen Augen! (mit 55 Bildern)

Guten Tag Menschen in der Ferne,

ich bin wieder zurück zuhause! Nach drei Wochen ständigen Unterwegsseins, habe ich jetzt auch schon wieder eine Woche Alltag hinter mich gebracht. Die erste der drei Wochen war ich ja, wie ihr bereits wisst, auf dem Zwischenseminar in Matagalpa. Wenn ihr den Blogartikel zum Seminar noch nicht gelesen habt, könnt ihr das im Anschluss ja einfach noch schnell machen!
In diesem Artikel möchte ich euch gerne von der Zeit mit meinen Eltern erzählen, die ja am Donnerstag, den 09. Februar hier in Managua gelandet waren und insgesamt 17 Nächte, also bis zum 26. Februar da gewesen sind. Die gesamten zwei Arbeitswochen habe ich mir frei genommen und habe mein Bestes gegeben, meinen Eltern die schönsten Seiten Nicaraguas zu zeigen. Ich persönlich bin sehr zufrieden gewesen. Um euch nicht vorzuenthalten, was meine Eltern von Nicaragua und dem Allen hier denken, habe ich sie für euch interviewt und hänge Euch unser kleines Gespräch am Ende an. Da wir viele Orte besucht haben, die ich schon kannte und die auch ihr deshalb schon durch meinem Blog kennengelernt habt, habe ich mich dazu entschieden, dieses Mal weniger zu schreiben, dafür aber umso mehr Bilder zu posten. Ich hoffe das Internet macht mir keinen Strich durch die Rechnung und ich schaffe es mich kurz zu fassen. Vamos a ver 🙂

Nachdem ich meine Eltern ja am Donnerstag leider nicht am Flughafen empfangen konnte, da ich noch in Matagalpa war, fand das große Wiedersehen erst am Freitag in ihrem Hotel statt. Dort saßen wir kurz zusammen, bevor wir uns auf den Weg zum Malecón machten, wo wir in dem bis dahin mir ebenfalls unbekannten Park ein wenig verweilten und später noch eine Kleinigkeit aßen. Hundemüde machte ich mich auf den Weg nach Hause und musste dann auch noch meine ganzen Sachen vom Seminar auspacken und alles für die kommenden zwei Wochen zusammenpacken. Meine Laune konnte trotzdem nichts trüben und am Samstag startete ich in meinen eigentlich nicht verdienten Urlaub.

Als erstes Reiseziel hatte ich Granada ausgewählt. Der Weg bis dahin dauerte nicht lange und schnell war auch eine Unterkunft gefunden. Ich hatte wie bereits erwähnt nichts gebucht oder genauer geplant. Alles spontan & tranquilo.
In Granada verbrachten wir drei Nächte. In dieser Zeit haben wir die Stadt selbst erkundet, waren in Masaya, eine Stadt bekannt für ihr Kunsthandwerk, in der Laguna de Apoyo schwimmen und haben am Abend eine Tour zum Vulkan Masaya unternommen. Hier die Bilder:

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Die berühmte Kathedrale von Granada
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Aussicht über die Stadt, im Hintergrund der Mombacho (Vulkan)
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Turm bestiegen!
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Tour durch die Isletas, die bei einer Vulkanerruption des Mombachos entstanden sind
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Familienfoto 1.0
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Der Vogel in unserem Hostel (man beachte die Farben des Vogels in Kombination mit den Hintergrundfarben!)
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Beste Erfindung dieser Welt!
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Die Laguna de Masaya (eine andere Perspektive, aber prinzipiell der gleiche Ort wie mein eigentlicher Bloghintergrung)

 

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Das Faultier, das in Masaya im Parque Central wohnt!
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Der aktive Vulkan bei Masaya, den wir bei Nacht besucht haben, um die brodelnde Lava zu beobachten.
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Die Laguna de Apoyo, ein erloschener Vulkankrater, der heute mit Wasser gefüllt ist.
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Mama und ich plantschen in der Lagune
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Auf dem Künstlermarkt in Masaya versuche ich meinen Eltern eine Hängematte anzudrehen!

Weiter ging es dann am Dienstag Morgen. Unser nächster Stop sollte die Insel Ometepe werden. Vielleicht erinnert ihr Euch noch an Ometepe? Ich war bereits im September auf der Insel. Ometepe liegt im Nicaraguasee und ist die größte Vulkaninsel in einem Süßwassersee weltweit.

Nachdem wir nach Bus- Taxi- und Bootsfahrt wohlbehalten auf der Insel ankamen, verbrachten wir dort drei weitere Nächte. Dieses Mal habe ich komplett andere Spots besucht, als das vorherige Mal, was es natürlich auch für mich super spannend gemacht hat.
Am Mittwoch ging es für uns zum Wasserfall San Ramon, den wir nur sehr abenteuerlich erreichen konnte. Letzten Endes kamen wir aber wohlbehalten an und abends auch wieder ohne große Probleme zurück zum Hotel. Ich habe mich an diesem Tag sehr gefreut, da die typisch nicaraguanische Spontanität und Gelassenheit stark zum Ausdruck kam. So sind wir morgens um 07:30 Uhr im Bus losgefahren und waren eineinhalb Stunden später in Santa Cruz, dem nächst gelegenen Punkt des Wasserfalles, den Busse anfahren. Doch ist nächstgelegen auch gleich nah? – Nein, definitiv nicht. Von Santa Cruz bis zum Park, wo der eigentliche Weg überhaupt erst anfängt sind es nämlich über 12 Kilometer. Die meisten Besucher leihen sich deshalb von vorne herein in Moyogalpa oder Altagracia, die größten Städte der Insel, einen Roller oder ein kleines Motorrad, manche sogar ein Fahrrad, obwohl es selbst mit dem Roller bestimmt 60 – 90 Minuten zum Wasserfall dauern würde. Da wir aber nichts dergleichen ausgeliehen hatten, standen wir nun also in Santa Cruz. Ein Taxifahrer sprach uns direkt an und bot an, uns für 20$ bis zum Parkeingang zu fahren. 20$ ist für hiesige Verhältnisse extrem viel Geld, weshalb ich direkt abgelehnt habe. In diesem Moment kam ein Bananentransporter ohne Bananen vorbei, den ich kurzerhand anhielt und der uns dann immerhin ein Stück weit mitnahm. Da der Fahrer aber offenbar leider keine Karte lesen konnte, gab er mir komplett falsche Auskunft darüber, wo er uns absetzte. So ging ich von bestimmt vier bis fünf Kilometer weniger Weg aus. Wir entschieden uns also dazu erst einmal loszulaufen. Um ehrlich zu sein hatten wir auch keine andere Wahl, da weit und breit nichts war. Keine Häuser, keine Zivilisation – und wenn dann nur vereinzelt, kein Dorf und nur eine Schotterpiste. Nach ungefähr einer Stunde laufen bei unmenschlichen Temperaturen, fingen meine Eltern an, daran zu zweifeln, ob wir überhaupt noch ankommen würden. Mittlerweile war es schon halb 10 Uhr morgens und der letze Bus von Santa Cruz würde um 14:30 Uhr fahren. In diesen fünf Stunden mussten wir also weitere sechs bis sieben Kilometer hinlaufen, dann den eigentlichen Aufstieg zum Wasserfall bewältigen und die ganze Strecke bis Santa Cruz auch wieder zurück kommen. Dieses Mal dann vielleicht ohne Bananentransporter. Die Rechnung ging also nicht auf, das musste selbst ich zerknirscht zugeben. Aber wir waren ja zum Glück auf nicaraguanischem Boden unterwegs und wie so oft bewies sich wieder, dass in diesem Land für vieles eine Lösung gefunden werden kann. So stießen wir in einem kleinen Örtchen auf einen Fahrradverleih, bei dem wir uns Räder ausliehen und das Angebot bekamen, dass man uns anschließend den Weg bis nach El Quito auf Motorrädern zurück bringen könnte. Das alles für einen stolzen Preis von 1000 Cordoba (umgerechnet ca. 30$). Immerhin sind wir so aber günstiger als mit dem Taxi weggekommen. Wir radelten also von Merida (dem kleinen Örtchen) noch ca. 30 Minuten zum Parkeingang. Von dort aus ging es einen teilweise sehr anstrengenden und schweißtreibenden Weg aufwärts. Der Wasserfall liegt auf der südlichen Seite des Vulkans Maderas, den ich als meinen ertsen Vulkan im September schon mal bestiegen hatte, ihr erinnert euch? (Das anstrengenste, was ich in meinem Leben je gemacht habe.) Diesen besagten Vulkan ging es für mich dieses Mal also von der anderen Seite aufwärts. Nach eineinhalb Stunden erreichten wir schließlich nach all unseren Bemühungen endlich den Wasserfall. Zurück ging alles problemlos, wie versprochen wurden wir auf Motorrädern den 40-minütigen Weg nach El Quito gebracht, von wo aus wir dann schließlich den Bus zurück zum Hotel nehmen konnten. Ein aufregender Tag!

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Nach dem etwas umständlichen Hinweg hatten wir es schließlich zum Parkeingang geschafft!
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Nach 4 Kilometern steilem wandern, hatten wir endlich den Wassefall erreicht
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Wieder unten angekommen…
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& Wieder zurück radeln!

Auch am nächsten Tag haben wir die Insel weiter erkundet:

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Ausblick auf den Vulkan Maderas vom Naturschutzgebiet „Charco Verde“
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Tier- & Pflanzenwelt erkunden!
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Auch mit 19 Jahren noch die gleiche Freude wie früher auf Bäume zu klettern!
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Mirador (Aussichtspunkt) über das Naturschutzgebiet
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Im Schmetterlingsgarten
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Kein Ende in Sicht… der riesige See, dessen Ausmaßen immer wieder beeindruckend sind!
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Ausblick auf den Vulkan „Concepción“
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Strand im Naturschutzgebiet
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Abendstimmung am Hafen
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#Melancholie

Da die Zeit drängte und wir noch so viel vor hatten mussten wir leider am Freitag abreisen. Bereits um 06:45 Uhr sind wir mit der Fähre aufs Festland rübergefahren und haben von dort aus direkt einen Bus nach Managua bekommen. Zurück in der Hauptstadt, wo es bei weitem nicht mehr so entspannt ablief, wie auf der Insel, war ich froh, dass mir noch eine weitere Woche voller Abenteuer bevorstand. Es ging ohne längeren Zwischenstop in Managua direkt weiter nach León. Nachdem wir in der ersten Woche eher im südlichen Nicaragua unterwegs gewesen waren, machten wir uns nun auf in den Norden. Ich finde Norden hört sich direkt kalt an, findet ihr nicht auch? Wieso ist das eigentlich so? Wie auch immer – León ist alles andere als kalt. Ganz im Gegenteil. León gehört zu einer der heißesten Gegenden Nicaraguas. Wir haben nur zwei Nächte dort verbracht, dennoch würde ich behaupten, dass wir viel mitgenommen haben. Neben einer Stadtbesichtigung mit Besteigen des wunderschöne weiße Kathedralendaches, dem obligatorischen Besuch des Strandes „Las Peñitas“ (da meine Eltern noch nie am Pazifik waren), stand Volcanoboarding auf dem Programm. Volcanoboarding – ja genau, das ist das, was beim ersten Mal bei mir ziemlich schief gelaufen ist. Mit bangem Gefühl machte ich mich trotzdem noch ein zweites Mal auf den Weg und erklomm, mit dem Brett auf den Rücken geschnalltden, den schwarzen Vulkan . Und siehe da, dieses Mal ging alles gut. Ich muss zugeben, ich war wirklich erleichtert, als wir alle gesund und munter unten ankamen. Ich hatte mir meine Eltern schon mit gebrochenen Knochen in Nicaragua vorgestellt…

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Kolonialstadt in León
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Eine der kleineren Kathedralen
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Auf dem Dach der Kathedrale am Hauptplatz
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Gemütlicher Strandtag am Pazifik
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Meine Eltern im Pazifik
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Kathedralen über Kathedralen…
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Schwarze Wüste am Fuße des Cerro Negros
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Meine Eltern nach dem Volcano Boarding
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Mit dem Jeep über die Schotterpiste zurück stadteinwärts…

Noch an diesem Nachmittag sind wir weiter gereist nach Estelí.

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Im Chickenbus durchs Land

Eines wollte ich meinen Eltern nämlich unbedingt noch zeigen – Den Canyon von Somoto! Das haben wir am nächsten Tag dann auch gemacht und ich glaube meine Eltern fanden ebenfalls, dass sich der lange Weg gelohnt hat. Für mich ist und bleibt der Canyon einer der schönsten Orte, die ich kenne. Sogar meine Sprunghöhe von letztem Mal (acht Meter) konnte ich noch toppen! Dieses Mal war es Klippenspringen aus 10 Metern Höhe. Der Guide vom letzten Mal war auch am Start und hat mich sogar noch erkannt, trotz dessen, dass es bereits drei Monate her war, dass ich das letze Mal in Somoto gewesen bin.

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Einer der schönsten Orte für mich: Glücklich im Somoto Canyon
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Papi & ich im Parque Central von Estelí

Für Dienstag stand schließlich unsere Reise nach Corn Island, eine nicaraguanische Insel im karibischen Meer, auf dem Plan. Um 07:45 fuhren wir deshalb von Estelí mit dem Expressbus nach Managua, sodass wir bereits um halb 11 Uhr am Flughafen standen. Das war zwar eigentlich viel zu früh, aber irgendwie haben wir die Zeit bis zum Check-In doch noch totgeschlagen. Der eigentliche Flug hat nur knapp eine Stunde gedauert und dadurch dass wir relativ tief geflogen sind und es dazu noch nahezu wolkenlos war, konnte man die Veränderungen der Landschaft gut beobachten.

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Auf geht’s nach Corn Island! Umweltfreundliche Boardingpässe
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Willkommen in der Karibik!

Auf Corn Island angekommen, mussten wir uns erstmal auf die Suche nach einer Unterkunft begeben, wobei wir aber glücklicherweise schnell erfolgreich waren. Kurz bevor es dunkel wurde, sind wir auf Grund der Empfehlung unseres Vermieters noch auf den Berg, oder besser gesagt Hügel, geklettert, der direkt hinter unserem Hotel gelegen war. Von oben hatte man eine schöne Aussicht über zumindest eine Hälfte der Insel und konnte sogar den Sonnenuntergang miterleben.

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Schönste Aussicht über die Insel
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Genug Gründe glücklich zu sein!
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Im Paradies gelandet! (Picture by Mum)

Den nächsten Tag haben genutzt um bis circa 14 Uhr an einem wunderschönen, weißen und menschenleeren Karibikstrand zu entspannen.

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Long Bay Beach, Big Corn Island
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Long Bay Beach, Big Corn Island

Um 16 Uhr wollten wir schließlich auf Little Corn Island übersetzten, weshalb wir eben nur den halben Tag an diesem Strand verbringen konnten.
Die Überfahrt verlief zum Glück ruhig und dauerte im Grunde genommen auch nur 40 Minuten. Ich hatte ehrlich gesagt ein wenig Respekt davor, da die Überfahrt von Bluefields (Festland) nach Corn Island alles andere als angenehm sein soll. (Das ist zwar auch etwas ganz Anderes, aber trotzdem…) Die meisten Leute kotzen laut Erzählungen wohl sieben Stunden durchgehend, das Schiff wird von Wellen gefressen, Leute schlagen sich die Köpfe an Metallstangen auf, da sie auf dem Schiff hin- und herfallen… Nein, das brauchte ich nicht. Ich habe es zwar selbst nicht erlebt, aber allein die Erzählungen haben gereicht, um mir darüber bewusst zu werden, dass ich mir das nicht antun werde.
Um so froher war ich darüber, dass alles problemlos klappte und wir kurz darauf in unserer Unterkunft ankamen.

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Unsere Unterkunft auf Little Corn

Die folgenden drei Nächte verbrachten wir auf Little Corn Island. Die Insel ist wirklich klein, sodass wir in den wenigen Tagen alles problemlos erkunden konnten. Von einem Ende zum anderen zu laufen, dauert nur knapp eine Stunde. Am nächsten Morgen entschlossen wir uns dazu, einmal komplett um die Insel herumzuspazieren. Am schönsten Strand verbrachten wir schließlich den Nachmittag und auch die folgenden zwei Tage. Da wir allerdings über den Strand gekommen waren, hatten wir am ersten Abend gehörige Probleme, den richtigen Weg wieder zurück zu finden. Nachdem wir alle schon sehr verzweifelt waren, da wir irgendwo im Dschungel zwischen den Pflanzen umher irrten, fanden wir glücklicherweise doch noch den Weg.
Papa war dann an einem Tag noch tauchen, wovon er ziemlich begeistert war. Mal sehen, ob ich demnächst auch dazu komme, einen Tauchschein zu machen. Lust hätte ich auf jeden Fall!

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Tage am Strand genießen!
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Ein Pelikan
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Karibikbild mit Papa ( man achte auf meine Bräune)
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Verlaufen auf Little Corn, Kommentar Papa: „Langsam bin ich mit meinem Latein am Ende!“ (das muss schon was heißen…); aber wenigstens waren wir von schöner Landschaft umgeben
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Eat, Sleep, Beach, repeat
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Palmen, Palmen, Palmen
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Mama & Papa
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Sonnenuntergänge in der Karibik

Corn Island ist wunderschön! Ich glaube, da würde keiner von Euch protestieren. Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte, auch diesen Teil des Landes kennenzulernen. Dennoch muss ich sagen, dass es für mich persönlich nicht wirklich Nicaragua war. Es war ein anderes Gefühl, das ich hatte. Es ist eine andere Kultur, eine andere Sprache, eine andere Landschaft. Eigentlich hat es gar nichts davon gehabt, was ich mit Nicaragua assoziiere. Es war also irgendwo auch ein seltsames Gefühl auf Corn Island in Nicaragua zu sein, obwohl es sich nicht wie Nicaragua anfühlte. Trotz dieses Gefühls ist es eine tolle Zeit gewesen, auf die ich nicht verzichten hätte wollen. Ich habe die Zeit auf den Inseln unglaublich genossen und hätte es mit Sicherheit noch länger dort ausgehalten. Kleiner Scherz. Ich wollte natürlich nicht mehr weg.

Da sich der gesamte Urlaub mit den letzten Tagen auf Corn Island ja leider auch dem Ende zuneigte, habe ich meine Eltern beim gemeinsamen Abendessen mal interviewt, um euch auch ihre Sicht, die ja ganz anders geprägt ist, als die meine, aufzuzeigen.

L: So dann erzählt doch mal… Was fandet ihr denn am Schönsten?
M: Da kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht so genau festlegen. Die Eindrücke waren einfach zu vielseitig. Von Natur über Stadt über Vulkan über Insel…
P: Für mich waren die Highlights die Tour durch den Somoto Canyon und das Tauchen auf Little Corn Island!

L: Und was fandet ihr am „Schlechtesten“?
P: Die langsamen Busse!
L: Fandest du die Busse nicht ein Erlebnis?
P: Doch natürlich! Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung darin zu fahren, aber sie sind einfach relativ ineffizient. Die Chickenbusses zum Beispiel sind einfach extrem langsam… Und wenn du stehen musst ist das einzig Positive am Bus fahren, dass meistens Musik läuft. Aber als großer Mensch sieht man nichts von der Landschaft.
Außerdem fand ich es ärgerlich, dass man ständig den Eindruck hat, dass man als Touri über den Tisch gezogen wird. Es gibt immer hier und da noch den Versuch die letzen 50 oder 60 Cordoba aus einem raus holen, die ein Local wahrscheinlich nicht bezahlen würde.
L: In welchen Situation hast du das besonders wahrgenommen?
P: Zum Beispiel im Taxi in Managua zum Flughafen. So ein Beschiss! ( Zur Erklärung: Ich hatte leider keinerlei Orientierung wo der Flughafen genau liegt. Der Taxifahrer hatte dann gesagt, dass er uns für 150 C$ hinbringen könnte. Ich habe das ganze noch auf 120 C$ runterhandeln können, laut dem Taxifahrer sei weniger aber „problematisch“. Als wir im Taxi saßen hat mein Papa dann gefragt, wie weit es denn zum Flughafen wäre. Der Taxifahrer antwortete vier Kilometer. Beinahe in diesem Moment fuhren wir an einem Schild vorbei „Aeropuerto 1km“ und keine Minute später bogen wir auf das Flughafengelände ein. 120C$ war also wirklich eine krasse Abzocke – ich habe mich aber noch zusammen reißen können und habe dem Taxifahrer keine Szene gemacht. Stattdessen habe ich mich weiter ein bisschen vor mich hin geärgert.)
L: Und bei dir Mama? Was war bei dir besonders „schlimm“?
M: Die erste Unterkunft in Granada. Ohne Fenster, stickig, dunkel und direkt neben der Küche *ich muss darüber nur schmunzeln, weil mir mal wieder auffällt, wie sehr ich meine Standards heruntergefahren habe.* Ansonsten haben mich die Busfahrten aber gar nicht gestört… Da konnte man immer schön dir Landschaft angucken.

L: Hattet ihr „Wow-Momente“ Seien es positive oder negative Momente? Momente, in denen euch etwas bewusst geworden ist oder aufgefallen ist?
P: Was mir besonders aufgefiel, ist das mangelnde Umweltbewusstsein, das hier generell zu herrschen scheint. Wenn man die Leute wenigstens dazu bringen könnte, ihren Müll in den Mülleimer zu werfen, anstatt in die Landschaft zu schmeißen und diesen Müll dann auch noch fachgerecht entsorgen würde, und nicht dauernd am Straßenrand verbrennt, ist man denke ich schon einen großen Schritt weiter.

L: Denkt ihr, dass ihr dadurch, dass ihr jetzt hier wart, besser nachvollziehen könnt, was ich über Nicaragua erzähle? Natürlich nicht nur, dass ihr die Städte kennt und wisst wo ich immer einkaufen gehe oder zum Sport hin fahre, sondern wirklich Sachen, die mich bewegen?
M: Auf jeden Fall. Wir haben ja in den zwei Wochen das Land zumindest ein bisschen kennen gelernt.
P: Dem würde ich widersprechen. Wir haben nur die touristische Ziele besucht. Damit haben wir grade mal an der Oberfläche gekratzt.
Was das Land sonst betrifft? Die Locals zum Beispiel sind ja meistens ganz nett, aber wirklich Kontakt hatten wir ja keinen.
Wir haben relativ viele Stromausfälle gehabt, auf Corn Island hatten wir den regulären Stromcut am Morgen. Wir haben zwar Müllabfuhr gesehen, aber natürlich wird trotzdem wahnsinnig viel Müll verbrannt. Das tut der Umwelt natürlich nicht gut. Das Bussystem scheint gut zu funktionieren und ist wohl auch für die Locals erschwinglich. Was ich auch deutlich wahrgenommen habe ist, dass es einen gewissen Respekt für ältere Personen gibt, da stehen zum Beispiel Jüngere auf und lassen die Älteren sich hinsetzen.
L: Ja, das ist total toll! Auch für Schwangere wird immer Platz gemacht oder generell stehen Männer auch für Frauen auf oder bieten ihnen zumindest den Platz zuerst an, bevor sie sich setzen.
P: Ja, das finde ich wirklich gut! Auf der anderen Seite habe ich allerdings das Gefühl, dass das Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise fehlt. Wenn du erzählst, dass die Kinder oft bereits morgens um neun Uhr mit Chips und Säften oder Cola rumlaufen…
L: Das stimmt, aber da sind wir wieder an dem Punkt angelangt, wo man sich fragen sollte warum das so ist und dass es vielleicht andere Probleme gibt, die wichtiger sind.
M: Andererseits denke ich, dass das ja bestimmt nicht generell so ist.
L: Nein, verallgemeinern kann man das natürlich nicht, aber die Tendenz ist schon da.
M: Ja, aber vielleicht wäre es bei den Kindern, mit denen du hier hauptsächlich zu tun hast, in Deutschland ähnlich.
L: Das könnte natürlich sein. Ich habe ja auch gar keine allgemeine Sicht auf die Situation. Ich sehe ja tatsächlich nur die Kinder, die aus dem ohnehin schon schwierigen Viertel kommen.

L: Wäre es Euch zu gefährlich gewesen Ben und Jona (meine Brüder, 12 & 9 Jahre alt) mitzunehmen? Also wäre es Euch jetzt im Nachhinein zu riskant gewesen?
M: Gefährlich nicht, aber vieles wäre dadurch schwieriger gewesen und nicht so entspannt .

L: Hat sich durch euren Aufenthalt hier in Nicaragua irgendetwas an eurer Meinung geändert? Also habt ihr jetzt ein schlechteres oder besseres Gefühl, darauf bezogen, dass ich hier lebe? Nachdem was ihr so mitbekommen habt, wie es hier abgeht, was Machismo angeht (der übrigens wirklich nur wenig zu spüren war) usw…
M&P: Dass der Machismo nicht so auffällig war, das lag ja wahrscheinlich daran, dass du begleitet warst von deinen Eltern.
P: Die Male, die man es gemerkt hat, waren eher positiv. Der eine Guide lag dir ja praktisch zu Füßen, erstaunlich, dass er dir nicht die Füße auch noch geküsst hat. Ansonsten denke ich nach wie vor, ist Nicaragua ein Land, in dem man als Frau alleine, insbesondere als weiße Frau alleine, seine sieben Sinne beisammen haben muss und sich entsprechend vorsichtig verhalten muss. Diese zwei Wochen hier haben meinen Eindruck nur verstärkt.
M: Ich bin da eher entspannter geworden. Mir sind nicht so viele „Gefahren“ oder unangenehme Situationen begegnet.

L: Eine letzte Frage habe ich aber noch: War Nicaragua denn so, wie ihr es euch vorgestellt hattet?
M: Ich bin ganz unbefangen hier her gekommen. Was mich so erstaunt hat, war, dass ein super schickes Haus neben einer total herunter gekommenen Bruchbude steht. Und das ist mir durchaus mehrmals aufgefallen.
L: Das ist genau das, was ich ja auch schon immer sage, dass es einfach unglaublich kontrastreich ist.
P: Generell war Nicaragua relativ nah an dem was ich mir vorgestellt hatte und wie es im Land abgeht. Ich war schon in relativ vielen sogennanten „Entwicklungs-/Schwellenländern“ und deswegen konnte ich mir schon im Vorhinein eine Vorstellung davon machen, wie es hier aussehen würde. Ich bin also nicht besonders überrascht, um es auf den Punkt zu bringen.

Ich hoffe, euer Informationsbedarf zu unserem gemeinsamen Urlaub ist hiermit jetzt erstmal gedeckt! Für mich heißt es jetzt schon seit einer Woche wieder arbeiten. Meine nächsten und sehr wahrscheinlich auch letzten freien Tage werden dann in der Semana Santa, der Woche vor Ostern sein.
Ein kurzes Update für alle die mich schon ein kleines bisschen vermissen: in 3 Tagen bin ich genau 7 Monate in Nicaragua. Sieben Monate. SIEBEN. Ich kann es selbst kaum glauben – ich weiß, das schreibe ich immer wieder. Und da es fast sieben Monate sind, bleiben weniger als 150 Tage, bis wir uns wieder sehen.

Bis dahin sende ich Euch allerliebste Grüße aus dem ewigen Sommer

Eure Lea

 

Alles übers Zwischenseminar! – Neuigkeiten, Besuch bei Ritter Sport und mehr

Nachdem mittlerweile erschreckenderweise bereits die Hälfte meines Freiwilligendienstes hier in Nicaragua rum ist, rückte auch das lang geplante Zwischenseminar immer näher. Die insgesamt sechs Tage von Sonntag, den 05.02 bis Freitag, den 10.02 verbrachten wir in einem meiner Meinung nach wunderschönen Tagungszentrum in der Nähe von Matagalpa.

Matagalpa liegt ca. 140 km nördlich von Managua in den Bergen, sodass man circa drei Stunden benötigt. Mit einem gemiteten Bus ging es sonntags morgens von Managua aus los. Unsere Seminargruppe bestand wie schon auf dem Vorbereitunsseminar in Wiesbaden aus den Freiwillligen von Volunta in Nicaragua (ursprünglich 18, jetzt nur noch 17) und den beiden Freiwilligen aus Costa Rica. Hinzu kamen zwei weitere Freiwillige hier in Nicaragua aus sehr kleinen Entsendeorganisationen. Wie auch die On-Arrival-Days wurde das Seminar von Tina, einer Deutschen, die bereits seit über 30 Jahren in der Etwicklungszusammenarbeit in lateinamerikanischen Ländern tätig ist und nun seit sechs Jahren in Managua wohnt, geleitet. Mit dabei war natürlich auch Oliver, unser Koordinator (und für mich in der Doppelfunktion auch Mentor) und Niko, unser pädagogischer Berater aus Deutschland.

Dier Schwerpunkt des Seminares lag ganz klar auf der Reflexion über die erste Hälfte unseres weltwärts-Einsatzes. Themen um die es dabei besonders ging, waren die Gastfamilie, die Partnerorganisation (also Einsatzstelle/Projekt) und das Gastland. Es wurde viel in Kleingruppen reflektiert und diskutiert, sodass die Ergebnisse anschließend im Plenum präsentiert und ein weitees Mal diskutiert werden konnten. Viel ist kritisch hinterfragt worden und auch ich selbst bin zu einigen neuen Erkenntnissen und Ansichten gekommen. Natürlich fand auch außerhalb der „offiziellen“ Seminarzeiten ein reger Austausch mit den anderen Freiwilligen statt, sei es beim Yoga oder Wandern morgens um 06 Uhr kurz nach Sonnenaufgang, mittags beim Entspannen auf der Wiese oder abends beim Phase 10 spielen und Bierchen trinken gewesen.

Geschlafen haben wir übrigens zu 19. in einem Schlafsaal! Entgegen aller Vorstellungen war es super entspannt und spaßig, was aber auch gewährleistet werden konnte, dadurch dass unsere Gruppe unglaublich rücksichtsvoll und einfühlsam ist.

Über einen Tag der Woche möchte ich gerne noch ein bisschen genauer erzählen. Am Mittwoch stand der Exkursionstag an und so fuhren wir bereits früh morgens los in Richtung Jinotega, wo wir über den Tag verteilt eine Kaffeefabrik, eine Kakaoplantage und eine der füünf Schokoladenfabriken Nicaraguas besucht haben. Das Klima eignet sich in dieser Region besonders für den Anbau von Kaffee und Kakao. Es war super spannend zu sehen, wie viele Schritte beispielsweise hinter der Kaffeeherstellung stecken und wie viele Leute in der Produktion involviert sind. Kaffee wird oft viel zu wenig wertgeschätzt und wenn ich wieder nach Deutschland komme, werde ich mir definitiv vornehmen nur noch Fair-Trade Kaffee zu kaufen. Es ist eine unglaublich aufwendige Arbeit, die meistens viel zu gering entlohnt wird.

Am Abend des selbigen Tages hatten Marietta und ich noch ein Gespräch mit Niko und Oliver, in dem wir über die aktuelle Situation und unsere Probleme geredet haben. Beispielsweise ging es sehr ausführlich und lange um das Thema Gastfamilie. Da sich die Situation vor Allem in letzter Zeit merklich verschlechtert hatte und ich zudem auch in der Arbeitsgruppe „Gastfamilie“ gewesen war, wodurch ich mich speziell auch über dieses Thema mit anderen auseinander gesetzt hatte, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass durchaus viele Dinge nicht optimal verlaufen sind, sodass ein Wechsel der Gastfamilie oder auch Wohnsituation im Allgemeinen durchaus ein Gedanke wert wäre.

Um Euch die ganze Situation nicht vorzuenthalten möchte ich sie hier kurz erklären. Schon seit längerem gab es immer wieder Momente in der Gastfamilie, in denen ich mich verstärkt als zahlender Gast gesefühlt habe. Seit Martha in die USA gegangen war, redete kaum noch jemand mit uns und ob wir zuhause waren oder nicht, gegangen sind oder nicht oder das gemacht haben, was wir wollten, hat niemanden großartig interessiert. Die Wohnsituation an sich, wie ich sie bereits im letzten Jahr beschrieben hatte, wäre für mich nie ein Grund gewesen, die Wohnsituation zu wechseln. Nach wie vor fühle ich mich in meinen sechs Quadratmeterchen wirklich wohl und zuhause. Das einzige Problem, was sich für mich über die Zeit zugespitzt hatte, war der eher mäßige soziale Kontakt, die seltene Kommunikation und die fehlende Integration. Schwierig ist vor Allem, dass die Gastfamilie eng in Verbidund mit der PO steht, und ich deshalb Spannungen oder gar Probleme befürchte, falls wir tatsächlich die Gastfamilie verlassen sollten.
Das nur soweit dazu. Bis jetzt ist diese Idee die Gastfamilie zu wechseln oder anderwo unterzukommen noch nicht entschieden. Sobald es dazu kommt oder es etwas Neues gibt, werde ich Euch natürlich informieren.

Generell kann ich nur sagen, dass es sehr schön war, sich auf dem Seminar nach so langer Zeit endlich wiedergründlich austauschen zu können. Die Zeit verging wie im Flug und durch den ständigen Input war mein Kopf auf Hochtouren am Arbeiten. Ganz klar ist, dass ich viele meiner Ansichten hinterfragt habe und auch zu neuen Erkenntnissen kommen konnte. (Dazu in einem der nächten Artikel vielleicht mehr.)

Am Donnerstag Abend sind dann schließlich meine Eltern am Flughafen in Managua gelandet und ich freute mich riesig. Am Freitag nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen im Tagungszentrum ging es dann zurück nach Managua. Auf dem Weg haben wir noch einen Stop an der Kakaofabrik von Ritter Sport eingelegt. Eine einstündige Führung durch die Fabrik gab uns die Gelegenheit einmal hinter die Kulissen zu schauen. Und seid ehrlich! Wer von Euch wusste wirklich, dass die Kakobohnen, die ihr vielleicht in Eurer nächten Ritter Sport Schokolade schmecken könnnt, hier aus Nicaragua kommen?

So Freunde, ich bin wirklich stolz auf mich selbst, dass ich es noch geschafft habe, diesen kurzen Blogartikel zwischen Tür und Angel hochzuladen und hoffe, dass ich Euch somit schon ein paar Infos geben konnte. Ausführlicher wird es dann bestimmt wieder im nächsten Artikel, da ich mit meinen Eltern ab heute 15 Tage unterwegs bin. Einen genauen Plan haben wir nach wie vor nicht aber unter dem Motto „Tranquilo“ wird das schon alles gut gehen.

Bis zum nächsten Mal ihr Lieben

Eure Lea